„Wir sind nicht die Kro­ne der Schöp­fung, son­dern die Nean­der­taler von mor­gen.“

Michael Schmidt-Salomon

Die Gior­dano-Bruno-Stiftung ver­tritt die Posi­tion des „Evo­lu­tionären Human­is­mus“, die Mitte des let­zten Jahrhun­derts von dem bedeu­ten­den Evo­lu­tions­bi­olo­gen und ersten Gen­eraldirek­tor der UNESCO, Julian Hux­ley, for­muliert wurde. Im Auf­trag der Stiftung wur­den Hux­leys Ideen u.a. im „Man­i­fest des evo­lu­tionären Human­is­mus“ (2005) sowie in  „Hoff­nung Men­sch“ (2014) wieder aufge­grif­f­en und auf den Stand der heuti­gen Forschung gebracht.

“Dar­win-Tree” — Erste Skizze des Abstam­mungs­baumes aus Charles Dar­wins Notizbuch von 1837. (Lizenz: Geme­in­frei via commons.wikimedia.org)

Wie jed­er kon­se­quente Human­is­mus geht auch der Evo­lu­tionäre Human­is­mus von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Verbesserung der men­schlichen Lebensver­hält­nisse aus. Evo­lu­tionäre Human­is­ten treten entsch­ieden für die Werte der Aufk­lärung, für kri­tis­che Ratio­nal­ität, Selb­st­bes­tim­mung, Frei­heit und soziale Gerechtigkeit ein. Allerd­ings begreifen sie den Men­schen nicht mehr als „Kro­ne der Schöp­fung“, son­dern als unbe­ab­sichtigtes Pro­dukt der natür­lichen Evo­lu­tion, das sich nur gradu­ell, nicht prinzip­iell, von den anderen Lebens­for­men auf diesem „Staubko­rn im Weltall“ unter­schei­det. Als Kinder der Evo­lu­tion sind auch wir bloß „Leben, das leben will, inmit­ten von Leben, das leben will“ (Albert Schweitzer), was sich in einem ver­ant­wor­tungsvolleren Umgang mit der nicht­men­schlichen Tier­welt nieder­schla­gen sollte.

Ethis­che Grund­lage des evo­lu­tionären Human­is­mus ist das Prinzip der gle­ichen Berück­sich­ti­gung gle­ichrangiger Inter­essen. Daher sind diskri­m­inierende Ide­olo­gien wie Ras­sis­mus, Sex­is­mus, Eth­nozen­tris­mus oder Speziesis­mus sowie sozial­dar­win­is­tis­che oder eugenis­che Konzepte, die mitunter auch von Evo­lu­tion­s­the­o­retik­ern (eine zeit­lang sog­ar von Julian Hux­ley!) vertreten wur­den, mit unserem Konzept des evo­lu­tionären Human­is­mus unvere­in­bar.